Energie im Yoga oder E=mc2?

Energie im Yoga   oder  E=mc2 ?

Energie, in der Sprache des Yoga prana, bildet den Kern des traditionellen Hatha-Yoga. Alles Bemühen in diesem kraftvollen Yoga ist darauf gerichtet, unsere bewusste Lebens-Energie zu aktivieren, zu steigern und so gesund und ausgeglichen zu sein sowie eine spirituelle Entwicklung und Transzendierung zu fördern. Doch was meint Yoga mit „Lebensenergie“? Und wie steht diese im Verhältnis zu dem, was wir ansonsten unter Energie verstehen?

Lebensenergie, prana, ist eine kosmische, also über uns als Individuum hinausgehende Kraft, die den Urgrund alles Erschaffenen bildet. Sie ist sozusagen die immaterielle Ursache aller Erscheinungen, des Kosmos, unseres Bewusstseins, unseres Geistes und Körpers. Und sie ist in ständiger Bewegung, alles in der Welt Existente ist ein Tanz der Energie. So sagt Yoga.

Die moderne Physik sagt: Wenn man ganz weit in hineinzoomt, kann Materie am ehesten beschrieben werden als Wahrscheinlichkeitsverteilung einer allumfassenden, zusammenhängenden Energie in ständiger Bewegung. Auf subatomarer Ebene können wir keine unabhängigen kleinsten „Teilchen“ als Substanz annehmen. Dieses Energiebewegungsmuster schließt Bewusstsein mit ein und kann nicht unabhängig davon beschrieben werden. Dies ist die Erkenntnis der Quantenphysik von Einstein, Heisenberg, Bohr und Co.

Die Aussagen klingen ziemlich ähnlich und sind es wohl auch. Yoga und viele mystische Kulturen rund um den Globus sehen das ganz ähnlich. Was bedeutet dies für uns Menschen und vielleicht Yoga-Übende?

Die Welt der Erscheinungen, Makrokosmos und unser Mikrokosmus Mensch, ist ein Ausdruck von zusammenhängender Energie in Bewegung (im Yoga genannt Shakti). Traditioneller Hatha-Yoga lehrt uns, wie wir uns in das mikro-makrokosmische Energiebewegungsmuster einklinken (die Kundalini –Shakti „erwecken“, also in uns aktivieren). Das yogische Ziel dabei ist die Transzendierung des Selbst, also das Erkennen, dass wir letztlich untrennbarer Teil des Ganzen sind. Erkennen in dem haltlosen Maße, dass wir diese Erkenntnis nicht nur denken können, sondern ganz darin aufgehen, sie sind.

Prinzipiell steht uns dann auch alle Macht des Kosmos zur Verfügung. Jedenfalls können wir die Alles erschaffende Kraft in dem Maße für unsere Entwicklung nutzen, wie wir fähig sind, uns damit zu verbinden, in Einklang zu bringen. Doch keine Angst vor der Verantwortung und vor Kräften, die sich vielleicht nicht beherrschen lassen. Traditioneller Hatha-Yoga lehrt eben den Weg, auf dem wir mitwachsen und lernen, die zunehmende uns verfügbare Energie verantwortlich einzusetzen. Das beginnt mit Energieübungen für den Körper und für den Geist. Wir lernen die Instrumente zu stärken, zu schärfen und zu beherrschen. Und für diejenigen, die hoffen können, das Ende des Weges zu erreichen, wartet das Erkennen, dass wir mit allem verbunden sind und das ist die Transformation dessen, was wir für unsere individuelle Persönlichkeit halten.

 

> zurück zu Themen